Reaktorplattform

BERT 1: Batch-Reaktor

BERT 1 ist die experimentelle Grundlage von ThermoH2: ein Batch-System für Pyrolyseversuche mit Kunststoffgemischen, Schutzgasführung, Katalysatorzone, Gasreinigung und Sensorik.

Aufbau von BERT 1

Wozu BERT 1 dient

BERT 1 erlaubt Grundlagenversuche unter definierten Bedingungen. Kunststoffproben werden portionsweise in einer geschlossenen Reaktionskammer erhitzt, während Sauerstoff durch Schutzgas verdrängt wird. So lassen sich Temperaturführung, Materialverhalten und Gasbildung nachvollziehbar dokumentieren.

Batch-Prinzip

Jeder Versuch ist ein abgeschlossener Durchlauf mit definierter Probe, Temperaturführung und Versuchsdauer.

Katalysatorzone

Die entstehenden Kohlenwasserstoffe können über verschiedene Katalysatoren geführt werden, um den Wasserstoffanteil zu beeinflussen.

Messstrecke

Temperaturen, Gasreinigung und Wasserstoffsensorik bilden die Grundlage für vergleichbare Versuchsdaten.

Prozessschema und Aufbau

BERT 1 verbindet Hauptreaktor, Katalysatorzone, Gasreinigung und Messsystem zu einer kontrollierten Batch-Strecke. Das Prozessschema zeigt die Grundlogik, der Aufbau darunter die wichtigsten Baugruppen.

Prozessschema
Prozessdiagramm und Reaktionsschema
Feedstock, Hauptreaktor, Katalysatorzone, Gasreinigung, Messsystem
Vereinfachtes Fließbild des ThermoH2-Systems mit Reaktions- und Messstrecke.
Reaktorkern

Im Hauptreaktor wird das Kunststoffmaterial unter Sauerstoffausschluss auf hohe Temperaturen erhitzt. Die Polymerketten zerfallen dabei thermisch in kleinere Moleküle. Die Dichtheit des Reaktionsraums ist zentral, da schon geringe Sauerstoffmengen zu unerwünschter Oxidation führen können.

Reaktorkern
Aufbau des Hauptreaktors mit Reaktionsraum und Heizsystem
Katalysatorzone

Die Katalysatorzone befindet sich im oder hinter dem Hauptreaktor. Das Reaktionsgas strömt durch ein Festbett, in dem weitere Spaltungs- und Reformierungsreaktionen stattfinden. Wichtige Anforderungen sind eine große Oberfläche, thermische Stabilität und mechanische Festigkeit.

Katalysatorzone
Katalysatorzone mit Festbett und Gasdurchströmung als Sekundärreaktor
Gasstrecke

Nach dem Reaktor werden die Produkte kontrolliert abgeführt, gegebenenfalls gekühlt und in Reinigungsstufen weiterbehandelt. Ziel ist eine definierte, reproduzierbare Messstrecke mit möglichst geringer Verfälschung durch Kondensate oder Feuchtigkeit.

Sicherheit und Messbarkeit

Der gesamte Aufbau ist auf kontrollierte Bedingungen ausgelegt. Dichtheit, Schutzgasführung, Temperaturkontrolle, sichere Gasabführung und kontinuierliche Überwachung sind entscheidend.

  • Arbeiten im Abzug
  • Gasdichte Verbindungen und hitzebeständige Dichtungen
  • Kein offenes Feuer im Umfeld des Versuchs
  • Kontinuierliche Überwachung von Temperatur und Gasstrecke
  • Kontrollierte Inertgaszufuhr über Druckminderer und Durchflussregler
Sicherheitsdiagramm
Sicherheitsdiagramm: Sensoren, Ventile, Gasführung, Abzug
Sicherheitsrelevante Komponenten des ThermoH2-Systems

Reaktionsgrundlagen und Katalyse

Bei der Pyrolyse werden lange Polymerketten ohne Sauerstoffzufuhr thermisch in kleinere Moleküle gespalten. Materialart, Temperatur, Verweilzeit und Reaktorführung beeinflussen, wie sich Gasphase, Kondensate und fester Rückstand zusammensetzen.

Rolle der Katalysatoren

Nickel- und eisenbasierte Katalysatoren unterstützen Spaltungs- und Reformierungsreaktionen. Untersucht werden unter anderem Nickel auf Aluminiumoxid, Eisenoxid auf Trägermaterial und Raney-Nickel.

Aktive Oberfläche

Eine große zugängliche Oberfläche schafft viele Reaktionszentren für die Umsetzung der Pyrolysegase.

Temperaturstabilität

Der Katalysator muss den hohen Temperaturen und wechselnden Gaszusammensetzungen standhalten.

Verkokung

Kohlenstoffablagerungen können aktive Zentren blockieren und die Wirkung des Katalysators verringern.

Versuchslogik

1

Probe vorbereiten

Masse, Materialart und Vorbehandlung werden dokumentiert.

2

Reaktor inertisieren

Das System wird mit Argon gespült, um Sauerstoff zu entfernen.

3

Pyrolyse durchführen

Die Probe wird erhitzt, thermisch zersetzt und die Gasphase nachbehandelt.

4

Auswerten

Sensorwerte, Rückstände, Kondensate und Beobachtungen werden verglichen.

Versuchsreihen mit BERT 1

Für vergleichbare Versuche wird jeweils nur eine begrenzte Zahl von Einflussgrößen verändert. Dokumentiert werden Material, Temperaturprofil, Haltezeit, Katalysator und beobachtete Produkte.

Versuchsreihe Variablen Auswertung
Basisbetrieb Temperatur, Haltezeit, Kunststoffprobe Gasvolumen, Sensorwerte, Rückstand
Nickel auf Aluminiumoxid Katalysatormasse, Position, Temperatur H₂-Signal, Kondensate, Kohlenstoffrückstand
Eisenoxid auf Träger Trägermaterial, Aktivphase, Haltezeit Stabilität, Vergleichbarkeit, Gasbildung
Raney-Nickel Temperaturfenster, Gaszusammensetzung Reaktivität, Wasserstoffbildung, Verkokung
Versuchsprotokolle
Auszug aus den ThermoH2-Versuchsprotokollen
Dokumentation von Messwerten und Versuchsbedingungen
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